Zum Inhalt springen

Heiraten im Ausland

Destination Weddings ohne böse Überraschungen: was rechtlich zu beachten ist, was Strand und Toskana wirklich kosten und warum gute Planung hier am meisten wert ist.

Eine Trauung mit Blick aufs Meer, ein langes Abendessen unter Olivenbäumen, Gäste, die nicht nach vier Stunden ins Auto steigen, sondern drei Tage bleiben: Es gibt gute Gründe, im Ausland zu heiraten. Es gibt aber auch keinen Planungsfall, der so schnell unübersichtlich wird. Alles, was zu Hause ein Anruf wäre, ist hier eine Zeitzone, eine Sprache und eine Behörde entfernt. Wer das von Anfang an einkalkuliert, bekommt ein wunderbares Fest. Wer es unterschätzt, verbringt das letzte halbe Jahr am Telefon.

Der Realitätscheck

Eine Hochzeit im Ausland ist logistisch die Königsklasse. Ihr könnt nicht eben vorbeifahren, wenn die Frage aufkommt, ob der Saal eine Klimaanlage hat. Ihr seht die Location oft nur einmal vorher, manchmal gar nicht. Dienstleister arbeiten nach anderen Gewohnheiten: Zeitpläne sind mancherorts eine Empfehlung, Verträge kürzer als bei uns üblich, Vorkasse verbreiteter. Nichts davon ist ein Problem, solange ihr es wisst und entsprechend puffert.

Rechnet außerdem mit einer kleineren Feier. Ein Teil eurer Gäste wird absagen, weil Reise, Urlaubstage und Kinderbetreuung nicht zusammenpassen. Das ist normal und für viele Paare sogar der eigentliche Reiz: Wer den Weg auf sich nimmt, will wirklich dabei sein.

Das Rechtliche, sauber erklärt

Der pragmatische Weg

Sehr viele Paare lösen die Frage, indem sie sie trennen. Die Ehe wird vorher leise beim deutschen Standesamt geschlossen, zu zweit oder mit den Trauzeugen, ohne Feier und ohne Ankündigung. Im Ausland folgt dann die freie Trauung mit Rednerin, Ringen und allem, was den Tag ausmacht. Rechtlich ist alles erledigt, emotional passiert der große Moment dort, wo ihr feiert. Für die Gäste ändert sich nichts, solange ihr die Reihenfolge nicht groß erklärt.

Die rechtsgültige Trauung vor Ort

Wenn die Ehe im Ausland geschlossen werden soll, wird es formal. Je nach Land braucht ihr ein Ehefähigkeitszeugnis, beglaubigte Übersetzungen eurer Urkunden und eine Apostille, die deutsche Dokumente international beweiskräftig macht. Dazu kommen Fristen: Manche Länder verlangen, dass ihr einige Tage bis Wochen vor der Trauung im Land seid oder Unterlagen Monate vorher einreicht. Rechnet mit sechs bis zwölf Monaten Vorlauf, und klärt danach die Anerkennung in Deutschland, in vielen Fällen über eine Nachbeurkundung beim Standesamt. Die verbindliche Auskunft gibt euch euer Standesamt und die Botschaft des Ziellandes, nicht die Location.

Die wichtigste Entscheidung ist nicht das Land, sondern ob ihr jemanden vor Ort habt, der eure Sprache spricht und euer Fest kennt.

Was es wirklich kostet

Die Kostenrechnung verschiebt sich, sie sinkt nicht automatisch. Auf der Habenseite steht die kleinere Gästezahl, und da jeder Gast der Feier mit 120 bis 200 Euro zu Buche schlägt, ist das der stärkste Hebel überhaupt. In vielen Regionen sind außerdem Catering, Floristik und Personal günstiger als in deutschen Ballungsräumen. Auf der Sollseite stehen dafür Posten, die es zu Hause nicht gibt: eure eigene Anreise, mindestens eine Besichtigungsreise, Unterkunft für mehrere Nächte, Transfers zwischen Hotel und Location, Übergepäck für Kleid und Anzug, oft ein Willkommensabend und ein Brunch am Folgetag.

Der heikelste Punkt ist die Frage, wer was zahlt. Üblich ist, dass Gäste Flug und Hotel selbst tragen und ihr die Feier stemmt. Üblich heißt aber nicht selbstverständlich. Sagt es früh, klar und in einem Satz, am besten schon bei der Vorankündigung. Wer erst mit der Einladung erfährt, dass ein verlängertes Wochenende in Apulien auf ihn zukommt, fühlt sich überrumpelt. Wenn ihr etwas übernehmt, etwa die Transfers oder eine Nacht im Hotel, nennt genau das, damit niemand raten muss.

Planung über die Distanz

Plant eine Besichtigungsreise fest ein und legt möglichst viele Termine auf diese Tage: Location, Menü, Floristik, Fotoroute, Aufbau. Bucht keine Location, die weder ihr noch eine Person eures Vertrauens gesehen hat, Bilder verzeihen viel. Sucht als zweiten Schritt jemanden vor Ort, entweder eine Planerin, die die Region und deutsche Erwartungen kennt, oder Dienstleister, die routiniert mit internationalen Paaren arbeiten. Das ist kein Luxus, sondern die Absicherung eures gesamten Budgets.

Klärt technische Dinge früh, weil sie im Ausland anders geregelt sind als hier: Lautstärkegrenzen und Sperrzeiten, Strom und Anschlüsse für die Band, ob offenes Feuer und Kerzen erlaubt sind, ob ein Zelt genehmigt werden muss. Bittet um Verträge in einer Sprache, die ihr sicher lest, und lasst euch alle Absprachen schriftlich bestätigen, auch die, die am Telefon selbstverständlich klangen.

Was in die Einladung gehört

  • Die Reisedaten so früh wie möglich, mindestens zwölf Monate vorher als Vorankündigung
  • An- und Abreisetag mit dem Hinweis, welche Nächte ihr empfehlt
  • Der nächste Flughafen, die Fahrzeit und ob ihr Transfers organisiert
  • Wer welche Kosten trägt, in klaren Worten
  • Ein Hotelkontingent mit zwei Preisklassen und einer Frist
  • Das Programm der ganzen Tage, damit Gäste ihren Urlaub danach planen können
  • Hinweise zu Kleidung, Klima und Untergrund, Sandstrand und Stilettos vertragen sich nicht

Und plant für euch selbst zwei ruhige Tage nach der Feier ein, bevor ihr zurückfliegt. Ihr seid dann schon da, es ist schön, und ihr werdet nach diesem Fest keine Lust auf einen Koffer am nächsten Morgen haben.

← Alle Artikel